Luxemburger Finanzplatz befürchtet Brexit-Chaos

Luxemburg hat die Nase vorn gegenüber Frankfurt. Aber geht es nach Nicolas Mackel, dem Vorstandschef der Finanzplatzinitiative Luxemburg for Finance, dann hätte es diesen Wettbewerb erst gar nicht geben dürfen. Der EU-Austritt Großbritanniens kenne grundsätzlich keine Gewinner, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z.

Markus Frühauf

Im Rahmen des Brexits haben sich nach seinen Angaben bislang 50 Finanzdienstleister für Luxemburg als neuen EU-Standort entschieden. Es handele sich um 24 Fondsgesellschaften, zwölf Versicherer, acht Banken und sechs Zahlungsdienste wie zum Beispiel Alipay. Mitte Januar sprach der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Felix Hufeld, von „45 Finanzinstituten“, die im Zuge des Brexits ihre Präsenz in Deutschland neu etablieren oder deutlich stärken wollen.

„Unmöglich, Lösungen zu finden“

Am Luxemburger Finanzplatz wird der politische Stillstand in London mit großer Sorge verfolgt. Die Lage rund um den Brexit ändere sich aktuell laufend, und es sei schwer vorherzusagen, welches Szenario am Ende Realität werde. Mackel hält einen harten Brexit, also einen EU-Austritt Großbritanniens ohne vertragliche Vereinbarungen, für die wahrscheinlichste Variante.

Die britische Premierministerin Theresa May will seiner Ansicht nach offenbar ihre Regierung und ihre Partei zusammenhalten, und dafür muss sie vor allem dem rechten Flügel der Konservativen weit entgegenkommen. „Dadurch, dass die Brexiteers in den vergangenen Jahren vor allem gesagt haben, was sie nicht wollen, aber nicht, was sie denn wollen, war es der EU nahezu unmöglich, Lösungen zu finden.“ Nun laufe die Zeit davon. Ein ungeordneter Brexit ohne Deal würde vor allem die britische Wirtschaft schwer treffen, aber sicher auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft in Europa insgesamt haben – allein durch die Störung der Lieferketten.

In diesem Szenario erwartet Mackel einen zusätzlichen Abwertungsdruck auf das britische Pfund. Die direkten Auswirkungen auf die Finanzbranche wären wohl eher weniger stark. Denn die meisten Finanzdienstleister hätten Vorkehrungen getroffen, um auch am Tag nach einem Austritt ohne Abkommen arbeitsfähig zu sein. Unklar sei aber, wie stark mögliche Verwerfungen in der britischen Realwirtschaft auf die Finanzmärkte und die Branche durchschlagen – selbst wenn die Investoren einen harten Brexit schon weitgehend eingepreist hätten.

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