Bayern München: Der ewige Meister

War es wirklich der 36-jährige Franck Ribéry, der da in der 72. Minute flink wie ein Hase in den Strafraum lief, zwei Mann wie Slalomstangen stehen ließ und mit einem herrlichen Lupfer das 4:1 erzielte? Oder war es der 24-jährige Franck Ribéry, der vor zwölf Jahren die Bundesliga mit seinen Tempodribblings verzückte?

Christian Eichler

Die Zeit schien für einen Moment stehengeblieben zu sein um fünf Uhr am Samstagnachmittag in München, bei der Abschiedsvorstellung der beiden wohl größten ausländischen Profis, die je in der Bundesliga spielten, Franck Ribéry und Arjen Robben. Sie feierten eine rauschende Party, denn der 5:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt bedeutete den siebten Meistertitel in Serie für Bayern München, den achten insgesamt für Robben und den neunten für Ribéry, der damit alleiniger deutscher Rekordhalter ist.

Die frühe Bayern-Führung durch Kingsley Coman (4. Minute) hatte Sébastien Haller kurz nach der Pause ausgeglichen (51.). Danach entschieden die Bayern das Spiel mit dem raschen Doppelschlag durch David Alaba (53.) und Renato Sanches (58.), ehe die beiden schon vor dem Spiel mit einer Umarmung von Präsident Uli Hoeneß und rauschendem Beifall der Fans verabschiedeten, von Trainer Niko Kovac aber nicht aufgestellten Flügel-Veteranen ihre Einwechslung bekamen.

Sie gönnten den Fans zwei letzte Tore. Ribéry traf in der 72. Minute, Robben sechs Minuten später. Sie wurden von den Fans ebenso gefeiert wie Trainer Niko Kovac, der kurz vor Schluss stehend dargebrachte Ovationen erhielt. Doch am Ende feierten auch die Frankfurter Fans, weil die späte Kunde vom 4:2-Sieg der Mainzer gegen Hoffenheim auch ihrem Team noch einen Platz in der Europa League rettete.

„Es war eine schwierige Entscheidung, weil ich weiß, wie es ist, wenn man aufhören muss“, sagte Kovac vor Anpfiff bei „Sky“ über seinen Entschluss, Ribéry und Robben nicht von Beginn an zu bringen. „Was die beiden hier geleistet haben, war sensationell. Aber ich musste sportlich entscheiden. Emotional gesehen, hätte ich die anderen beiden auch bringen können.“ So aber starteten die jungen Nachfolger Coman und Gnabry – und bestätigten den Trainer rasch. Nach einer flotten Kombination über Robert Lewandowski und Thomas Müller bekam Coman den Ball und schob ihn an Torwart Kevin Trapp vorbei nach nur vier Minuten ins Tor. Auch das 2:0 für die drückend überlegenen Bayern schien nur eine Frage der Zeit, vor allem Robert Lewandowski war eifrig, obwohl ihm seine vierte Torjägerkanone bei vier Toren Vorsprung vor dem Dortmunder Paco Alcacer schon vor Anpfiff so gut wie sicher war – nur Gerd Müller (sieben) hat nun noch mehr. Doch nach 13 Minuten scheiterte der Pole am stark reagierenden Trapp. Er blieb ohne Treffer und wurde dennoch Torschützenkönig.

Nach 25 Minuten lag der Ball tatsächlich zum zweiten Mal im Frankfurter Tor, als Gnabry aus 17 Metern flach ins Eck traf. Doch mit Hilfe des Videoassistenten annullierte Schiedsrichter Sascha Stegemann den Treffer, weil Lewandowski zuvor im Abseits gestanden hatte. Das Frankfurter Glück setzte sich fort, als ein Rettungsversuch von Jonathan de Guzman nach einer halben Stunde um ein Haar im eigenen Tor gelandet wäre, doch von der Latte prallte der Ball ins Feld zurück.

„Der Druck ist gen Süden weitergewandert“, hatte Hans-Joachim Watzke, der Dortmunder Klub-Chef, vor dem Saisonfinale behauptet. „Wir haben jetzt eine Situation, in der die Bayern alles verlieren können und wir alles gewinnen.“ Und die Einblendung des Pausenergebnisses aus Mönchengladbach war nicht geeignet, den Bayern diesen Druck zu nehmen – auch Dortmund führte 1:0.

Selbst für Thomas Müller, mit zehn Profijahren bei den Bayern der Dienstälteste im Team, hatte dieses Saisonfinale vor eine neuartige Aufgabe gestellt: „So eine Situation hatten wir noch nicht“. 2009, als zuvor zum letzten Mal die Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden worden war, hatten sich die Bayern vor dem Fernduell um den Titel in der umgekehrten Situation befunden, der des Zweiten, der auf den Ausrutscher des Ersten hoffen musste – wie nun die Dortmunder. Er kam nicht.

Wie eine Inszenierung zum Abschluss seiner Bayern-Laufbahn: Die gelbe Karte fürs Trikot ausziehen nimmt er gerne in Kauf. Bilderstrecke

Die Bayern, beim Verlassen der Kabine mit „Niko Kovac“-Sprechchören empfangen, mit denen die Fans in der Südkurve Partei für den von der Klubführung kaum unterstützten Trainer ergriffen, mussten nun vor allem die Nerven und die Spielkontrolle behalten. Diese Kontrolle verloren sie kurzzeitig nach der Pause, als Joshua Kimmich bei der ersten Frankfurter Ecke den Ball verfehlte, David Abraham die Latte traf und der zur Pause eingewechselte Haller den Abpraller über die Linie drückte.

Doch die Freude der Frankfurter (und das Hoffen aller Dortmunder in der Ferne) währte nur kurz. Zwei Minuten nach dem Ausgleich ließ Trapp einen Müller-Schuss nach vorn abprallen, Alaba drückte den Ball zum 2:1 über die Linie. Kurz danach patzte Trapp abermals, als er einen Schuss des für Goretzka eingewechselten Sanches passieren ließ.

So war nach einer Stunde Gelegenheit für die große Ehrenrunde von Ribéry und Robben, denen Coman und Gnabry ein letztes Mal die Bühne räumten. Sie nutzten das, um den Zuschauern noch einmal einen ganz großen Moment zu gönnen.

Источник: Corruptioner.life

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